Warum Pflegefachkräfte Deutschland wieder verlassen und was Arbeitgeber dagegen tun können

Die Migration von Fachkräften, besonders im Gesundheitswesen, spielt eine wichtige Rolle dabei, den Fachkräftemangel in Deutschland zu bewältigen. Doch was passiert, wenn genau die Menschen, die gekommen sind, um zu helfen, schon nach kurzer Zeit wieder gehen? Warum verlassen sie Deutschland und was können Arbeitgeber tun, um das zu verhindern?

 

Migration in Zahlen: Eine Bewegung in beide Richtungen

Deutschland hat in den letzten Jahren viele Menschen aufgenommen. Laut dem Statistischen Bundesamt (2023) sind zwischen 2015 und 2022 insgesamt 12.465.001 Menschen eingewandert. Im selben Zeitraum sind aber auch 7.142.000 Menschen ausgewandert.

Diese Entwicklung ist besonders im Gesundheitswesen problematisch. International rekrutierte Pflegekräfte sind entscheidend, um Personalengpässe in Kliniken, Pflegeheimen und Reha-Zentren zu schließen. Wenn sie Deutschland nach nur wenigen Monaten oder Jahren wieder verlassen, führt das nicht nur zu Versorgungsengpässen, sondern auch zu hohen Kosten und neuen Rekrutierungsrunden.

Um internationale Fachkräfte langfristig zu halten, müssen die Gründe für ihre Ausreise verstanden und gezielt mithilfe nachhaltiger und wirksamer Lösungen angegangen werden.

 

Warum kommen Menschen und warum gehen sie wieder?

Eine umfassende Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) aus dem Jahr 2024 hat die Gründe für Auswanderung genauer untersucht. Besonders für Arbeitgeber im Gesundheitswesen sind die Erkenntnisse wertvoll, denn sie sind auf internationale Fachkräfte angewiesen.

Es geht um mehr als nur einen Job

Die Studie zeigt: Rund zwei Drittel der Befragten sind ursprünglich wegen eines Jobangebots nach Deutschland gekommen, wirtschaftliche Perspektiven ziehen also viele an. Doch ein Arbeitsvertrag allein reicht oft nicht aus, um langfristig zu bleiben.

Migration ist selten nur eine wirtschaftliche Entscheidung. Wie Brzozowski und Coniglio (2021) erklären, spielen auch soziale, kulturelle und persönliche Faktoren eine große Rolle, etwa Lebensqualität, Anpassungsfähigkeit oder das allgemeine Wohlbefinden.

Risiko früher Rückkehr

Die Studie belegt außerdem, dass viele Migrant:innen Deutschland nach wenigen Jahren, oft sogar schon nach Monaten, wieder verlassen:

  • Die meisten wandern innerhalb von vier Jahren wieder aus.
  • Der Anteil derjenigen, die Deutschland bereits im ersten Jahr wieder verlassen, ist von 24,8 % im Jahr 2015 auf 38,8 % im Jahr 2022 gestiegen.

Das zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Ein wachsender Teil der internationalen Fachkräfte verlässt Deutschland, bevor echte Integration oder langfristiger Beitrag möglich wird.

 

Die Hauptgründe, warum Fachkräfte Deutschland verlassen

Laut FES-Studie sind es drei zentrale, oft miteinander verbundene Gründe:

1. Kein Gefühl von „Zuhause“ (38 %)

Viele berichten, dass sie sich in Deutschland nie wirklich angekommen fühlen. Dieses fehlende Zugehörigkeitsgefühl kann emotional sehr belastend sein.

2. Unzufriedenheit mit dem sozialen Leben (31 %)

Soziale Isolation und Schwierigkeiten, persönliche Kontakte zu knüpfen, sind besonders unter jüngeren Migrant:innen ein häufig genanntes Problem.

3. Kein Willkommenserlebnis (27,4 %)

Ein Mangel an kultureller Offenheit oder Erfahrungen mit Ausgrenzung führen oft dazu, dass sich Menschen zwar „geduldet“, aber nicht wirklich willkommen fühlen.

Weitere Gründe

  • Diskriminierung und Rassismus: Erfahrungen mit Vorurteilen, am Arbeitsplatz oder im Alltag, haben oft tiefgreifende Folgen. Viele nennen diese Erlebnisse in Kombination mit anderen Faktoren, als Gründe für die Entscheidung wieder auszuwandern.
  • Sprache ist selten der Hauptgrund: Auch wenn Deutschlernen eine große Herausforderung ist, taucht es nicht unter den Hauptgründen für Ausreise auf. Das zeigt: Die Bereitschaft, sich sprachlich anzupassen, ist da, doch das soziale und emotionale Umfeld ist entscheidend für den Verbleib.

Zentrale Erkenntnis: Es geht nicht nur um Arbeit

Die Entscheidung, Deutschland zu verlassen, hängt selten nur mit dem Job zusammen. Vielmehr geht es um das tägliche Leben: soziale Normen, Freundschaften, Zugehörigkeit. Wer als Arbeitgeber langfristig internationale Fachkräfte halten will, muss genau dort ansetzen, nicht nur beim Arbeitsvertrag, sondern auch beim gesamten Lebensgefühl.

 

Was können Arbeitgeber tun, um eine frühzeitige Abwanderung zu verhindern?

Wenn Fachkräfte bleiben sollen, reicht eine Einführungswoche nicht aus. Integration muss langfristig gedacht werden, ganzheitlich und mit echter Unterstützung innerhalb und außerhalb des Arbeitsplatzes.

1. Langfristige Integration unterstützen

Integration ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Pflegekräfte brauchen Unterstützung, um sich in der deutschen Gesellschaft zurechtzufinden, sich willkommen zu fühlen und ein stabiles soziales Netzwerk aufzubauen.

Best Practices:

  • Interkulturelle Trainings für internationale Pflegekräfte und das bestehende Team anbieten.
  • Soziale Teilhabe fördern (z. B. durch Vereine, Mentoring oder lokale Kooperationen).
  • Ein Buddy-System etablieren, das bei beruflicher und privater Orientierung hilft.

2. Rassismus und Diskriminierung aktiv entgegentreten

Arbeitgeber sollten eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Diskriminierung verfolgen und das gesamte Team für inklusives Verhalten sensibilisieren.

Best Practices:

  • Regelmäßige Workshops gegen Diskriminierung durchführen.
  • Anonyme Meldesysteme und offene Gesprächskultur etablieren.
  • Vielfalt im Unternehmen sichtbar machen durch Kommunikation und gemeinsame Events.

3. Eine gesunde Teamkultur fördern

Internationale Pflegekräfte fühlen sich oft sozial ausgeschlossen oder nicht wertgeschätzt. Eine inklusive und respektvolle Teamkultur ist daher essenziell.

Best Practices:

  • Teambuilding-Maßnahmen regelmäßig durchführen.
  • Führungskräfte im Bereich „Inclusive Leadership“ weiterbilden.
  • Vertrauensräume schaffen, in denen Sorgen offen angesprochen werden können.

 

Die Rolle von CWC Recruitment bei der langfristigen Integration

Bei CWC Recruitment wissen wir: Langfristige Integration ist der Schlüssel zur erfolgreichen Mitarbeiterbindung. Deshalb endet unsere Arbeit nicht bei der Vermittlung, wir begleiten Kandidat:innen und Einrichtungen umfassend weiter.

Schulungs- und Lernmaterialien

In Zusammenarbeit mit unserem Bildungspartner Care Forward haben wir spezielle Integrationsmaterialien für internationale Pflegekräfte und deren Teams entwickelt. Sie unterstützen gezielt die soziale und berufliche Integration und können individuell an die Bedürfnisse der Einrichtung angepasst werden.

Integrationsseminare mit GLJ

Gemeinsam mit GLJ Integration Management, geleitet von einer Expertin mit philippinischen Wurzeln und Sitz in Hamburg, bieten wir praxisnahe Seminare an. Sie helfen dabei:

  • Die emotionale Reise internationaler Pflegekräfte besser zu verstehen
  • Teams für ein wertschätzendes Miteinander zu sensibilisieren
  • Langfristige Strategien zur Mitarbeiterbindung zu entwickeln

Mehr zur Zusammenarbeit mit GLJ findest du hier.

 

Mitarbeiterbindung beginnt mit Verständnis

Internationale Pflegekräfte kommen mit Motivation, Mut und der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland. Doch wenn ihre sozialen und emotionalen Bedürfnisse nicht beachtet werden, bleiben sie oft nicht lange genug, um einen nachhaltigen Beitrag zu leisten.

Der erste Schritt zur Bindung ist: Verstehen, warum Menschen gehen. Der zweite Schritt ist: Integration aktiv gestalten, menschlich, langfristig, ganzheitlich. Und genau das kann jedes Gesundheitsunternehmen in Deutschland tun.

Bei CWC Recruitment glauben wir: Internationale Vermittlung ist erst dann erfolgreich, wenn die Pflegekraft nicht nur arbeitet, sondern in Deutschland ankommt und aufblüht.

Lass es uns gemeinsam möglich machen.

 

Weiterführende Artikel zum Thema Integration:

Wenn Sie als Gesundheitsdienstleister ein internationales, stabiles und kulturell kompetentes Team aufbauen möchten, wenden Sie sich bitte an CWC Recruitment unter service@cwc-recruitment.com.

 

Quellen:

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