Neues Land, neuer Job: Die ersten Tage von 5 CWC Kandidat:innen in Deutschland

Anfang April war es soweit: Fünf internationale Pflegefachkräfte aus Indien und Tunesien sind erfolgreich in Deutschland angekommen, um ihren neuen beruflichen Weg als “Pflegefachkräfte in Anerkennung” zu beginnen – mit der Perspektive, nach Erhalt der Urkunde als Pflegefachkraft zu arbeiten. Ihr Ziel: das Marienhaus Klinikum, genauer gesagt, das Marienhaus Klinikum Hetzelstift in Neustadt.

Diese erfolgreiche Gruppeneinreise ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie strukturierte internationale Rekrutierung und ein durchdachtes Onboarding nicht nur Prozesse effizienter gestalten, sondern auch die Integration und langfristige Bindung neuer Mitarbeitender erheblich verbessern können.

In diesem Beitrag beleuchten wir anhand dieses konkreten Praxisbeispiels:

  • Wie eine Gruppen-Ausreise organisiert wird
  • Welche Erfolgsfaktoren eine gelungene Einreise und Integration ausmachen
  • Wie Arbeitgeber ein effektives Onboarding gestalten können

Die Ankunft von 5 Kandidat:innen: Gemeinsam in ein neues Kapitel

Die Einrichtung hat sich dafür entschieden, diese fünf Kandidat:innen gemeinsam nach Deutschland reisen zu lassen – ein entscheidender Faktor für ihren erfolgreichen Start. Vier von ihnen reisten mit einem B1-Sprachzertifikat ein, eine Kandidatin hatte bereits das B2-Niveau erreicht. Damit erfüllten alle die Mindestvoraussetzungen für den Start ihrer Tätigkeit.

Wenn Arbeitgeber mehrere Kandidat:innen für eine Position gleichzeitig suchen, organisiert CWC – sofern es die Logistik erlaubt – gezielt Gruppenreisen.

Der Gruppenansatz bringt klare Vorteile mit sich:
Der Schritt in ein neues Land ist groß – kulturell, beruflich und persönlich. Wer diesen Schritt gemeinsam mit anderen geht, erlebt weniger Isolation, kann Erfahrungen teilen und baut schneller soziale Bindungen auf. Gerade in den ersten Tagen und Wochen entsteht dadurch ein unterstützendes Umfeld, das Unsicherheiten reduziert und Orientierung bietet.

Für Arbeitgeber bedeutet dies ebenfalls Vorteile: Prozesse können gebündelt, Ressourcen effizienter eingesetzt und Onboarding-Maßnahmen gezielter geplant werden.

Von der Job Order bis zur Einreise: Der strukturierte Auswahlprozess

Bevor die Kandidat:innen überhaupt deutschen Boden betreten, liegt ein klar definierter und strukturierter Prozess hinter ihnen.

1. Veröffentlichung der Stelle

Das Marienhaus Klinikum veröffentlichte eine konkrete Job Order für den Standort Marienhaus Klinikum Hetzelstift in Neustadt an der Weinstraße.

Diese Job Order enthielt alle relevanten Informationen, die für internationale Kandidat:innen entscheidend sind:

  • Art der Einrichtung
  • Einsatzbereiche und Stationen
  • Gehaltsstruktur (Pflegefachassistenz und Pflegefachkraft)
  • Zusatzleistungen und Benefits
  • Perspektiven im Anerkennungsprozess

Diese Transparenz ist essentiell, um Erwartungen frühzeitig zu klären und passende Kandidat:innen anzusprechen.

2. Screening und Auswahl

Nach Eingang der Bewerbungen beginnt der Auswahlprozess. In diesem Fall wurden die Kandidat:innen über etablierte internationale Partneragenturen rekrutiert, darunter CIMS (Indien) und Minerva (Tunesien).

Der Prozess verlief in mehreren Schritten:

  • Vorgeschalteter Matching-Prozess durch die Partneragenturen
  • Erstellung eines standardisierten CWC-Kandidat:innen-Profils
  • Einladung von interessierten Kandidat:innen zu Interviews mit dem Arbeitgeber (Organisation durch CWC)
  • Finale Auswahl durch das Klinikum und die Kandidat:innen

Dieses mehrstufige Screening stellt sicher, dass sowohl fachliche als auch persönliche Anforderungen erfüllt sind – ein zentraler Erfolgsfaktor für nachhaltige Integration.

3. Vertragsabschluss und Reisevorbereitung

Nach erfolgreicher Zusage beginnt die Vorbereitung auf die Einreise: die Phase, in der die finalen Dokumente sowie Visum und Arbeitserlaubnis beantragt und ausgestellt werden und in der die Kandidat:innen das B1-Zertifikat erwerben (bzw. B2, falls vom Arbeitgeber vor der Ausreise erforderlich).

Hierzu zählen unter anderem:

  • Visumsprozess
  • Arbeitserlaubnis
  • Unterlagen für den Antrag auf Anerkennung
  • Sprachzertifikate
  • Organisation der Reise

Dank klar strukturierter Prozesse und enger Abstimmung zwischen allen Beteiligten konnten alle fünf Kandidat:innen ihre Reise planmäßig Ende März / Anfang April antreten.

Die ersten Tage im Klinikum

Die ersten Tage in einer neuen Arbeitsumgebung sind entscheidend. Sie prägen den ersten Eindruck und beeinflussen maßgeblich die langfristige Motivation.

Beim Marienhaus Klinikum wurde dieser Phase besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Ein gelungener Start

Die Ankunft erfolgte kurz vor Ostern, eine potenziell herausfordernde Zeit aufgrund von Feiertagen. Dennoch stellte das Klinikum sicher:

  • Persönlicher Empfang am ersten Tag
  • Erste örtliche Orientierung in der Stadt und der Region
  • Klare Ansprechpartner:innen vor Ort
  • Strukturierter Einstieg in den Arbeitsalltag

Diese scheinbar einfachen Maßnahmen haben eine große Wirkung: Sie vermitteln Sicherheit, Orientierung und Wertschätzung.

Inhalte der ersten Tage

In den ersten Tagen durchliefen die neuen Mitarbeitenden ein kombiniertes Programm aus Theorie und Praxis:

  • Workshops zu grundlegenden pflegerischen Themen
    • Körperpflege
    • Hygiene
    • Mobilisation
  • Erste Einblicke in den Stationsalltag
  • Erste praktische Einsätze auf den zugeordneten Stationen

Das Feedback der Kandidat:innen war eindeutig:
„Anstrengend – aber positiv anstrengend.“

Ein Zeichen dafür, dass sie gefordert, gleichzeitig nicht überfordert wurden.

Stimmen aus der Praxis

Laut Stefanie Greifzu, Koordinatorin für Onboarding und Mitarbeitendenintegration:

„Die neuen Kolleg:innen haben sich mit viel Interesse und Freude kennengelernt und gemeinsam an zentralen Pflegethemen gearbeitet.“

Diese Aussage unterstreicht, wie wichtig eine Kombination aus fachlicher Einführung und sozialer Integration ist.

Warum dieses Onboarding funktioniert hat

Der Erfolg dieses Projekts ist kein Zufall, sondern das Ergebnis klar definierter Maßnahmen. Warum haben sich die Einreise und das Onboarding so positiv entwickelt, und welche Best Practices können Gesundheitseinrichtungen aus diesem Beispiel übernehmen, um Integration und langfristige Bindung zu stärken?

1. Gruppen-Deployment als Erfolgsfaktor

Die gemeinsame Einreise bietet mehrere Vorteile für die Kandidat:innen:

  • Reduzierung von Isolation
  • Gegenseitige Unterstützung
  • Schnellere soziale Integration
  • Gemeinsames Lernen und Wachsen

Auch aus organisatorischer Sicht profitieren Einrichtungen:

  • Effizientere Planung
  • Bündelung von Schulungen
  • Einheitliche Informationsvermittlung
2. Strukturierter Onboarding-Prozess

Ein klar definierter Onboarding-Leitfaden war vorhanden und wurde konsequent umgesetzt. Dieser beinhaltete:

  • Überblick über Einrichtungsstrukturen
  • Erklärung täglicher Abläufe
  • Klare Aufgabenbeschreibungen
  • Erwartungsmanagement

Zusätzlich wurden folgende Maßnahmen implementiert:

  • Regelmäßige Feedback- und Performancegespräche
  • Zugang zu ergänzenden Sprachkursen
  • Zuweisung von Mentor:innen
  • Praktische Vorbereitung auf die Anerkennung
  • Orientierungstage innerhalb der Einrichtung

Diese Struktur sorgt für Klarheit und reduziert Unsicherheiten, insbesondere für internationale Fachkräfte.

3. Kontinuierliche Begleitung

Ein weiterer entscheidender Punkt: Die Kandidat:innen wurden nicht sich selbst überlassen.

Stattdessen wurde sichergestellt, dass:

  • Ansprechpartner jederzeit verfügbar sind
  • Fragen schnell geklärt werden können
  • Fortschritte regelmäßig überprüft werden

Diese kontinuierliche Begleitung stärkt das Vertrauen und fördert die Integration.

Erfolgsfaktoren im Überblick

Dieses Beispiel zeigt deutlich: Erfolgreiche internationale Rekrutierung endet nicht mit der Einreise – die Vorbereitung und die Einreise sind nur Teile des Gesamtprozesses. Unter anderem sind dies die Faktoren, die eine erfolgreiche Rekrutierung und Integration ausmachen:

  1. Transparente Jobangebote
    Klare Kommunikation von Anforderungen und Rahmenbedingungen
  2. Strukturierte Auswahlprozesse
    Mehrstufiges Screening für bessere Passgenauigkeit
  3. Frühzeitige Vorbereitung
    Koordination aller administrativen Schritte vor der Einreise
  4. Gruppenansatz nutzen
    Förderung sozialer Integration von Anfang an
  5. Professionelles Onboarding
    Klare Strukturen, definierte Prozesse und persönliche Betreuung

Ein strukturierter Start sichert langfristigen Erfolg

Ein durchdachtes Onboarding ist weit mehr als eine organisatorische Notwendigkeit – es ist ein strategisches Instrument.

Ein guter Start:

  • Hinterlässt einen positiven ersten Eindruck
  • Steigert die Motivation
  • Fördert die soziale Integration
  • Erhöht die langfristige Bindung an den Arbeitgeber

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es entscheidend, nicht nur Talente zu gewinnen, sondern sie auch nachhaltig zu integrieren und zu halten.

Das Beispiel des Marienhaus Klinikums zeigt eindrucksvoll, wie dies gelingen kann.

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